Long Live Rock 'n' Roll -

 

Wolfgang Uranitschs Bilderbogen durch die westliche Kulturgeschichte

 

In der Pop - Kultur bzw. der Subkultur finden Gegensätze, bspw. zwischen etablierter weisser Kultur und Formen traditioneller indianischer Kultur, zueinander. Die Hervorbringungen der Populärkultur, die in erster Linie als Ausdruck einer Gegenposition zur so genannten Hochkultur entstanden sind, haben eine selbstverständliche Nähe zu den ausgegrenzten Kulturformen der ethnologischen Traditionen. Indianer wie Jugendliche standen in den 50er, 60er Jahren eher am Rande der Gesellschaft. Ihre Vorhaben und Lebensformen wurden als nicht gesellschaftsfähig eingestuft. Die Empörung darüber hat 1968 einen Höhepunkt erlebt, zumindest was den Stellenwert der Jugend innerhalb der Gesellschaft angeht. Für ethnische Minderheiten gingen die Entwicklungen in diese Richtungen weit langsamer, bis gar nicht voran. Die gegenseitige Solidarität der Ausgegrenzten, zumindest in Bezug auf kulturelle Äußerlichkeiten, ist als Folge trotzdem auffällig. Indianer oder Naturvölker, wie Kulturen ( Mayas, Inkas, Azteken) fänden ihre Formen in der Trivial- bzw. Subkultur der weißen Jugendlichen wieder.

 

Comics erzählen oft von ausgestorbenen Kulturen, die in eklektizistischen Stilmixes, gepaart mit Ergebnissen der Außerirdischen-Forschung, in Erscheinung treten.
Wolfgang Uranitsch, als Pionier einer Comic-Szene im deutschen Sprachraum, trägt diesen Phänomenen Rechnung. Seine u.a. im „SCHWERMETALL“ erschienen Comics erzählen neben klassischen Kriminalgeschichten Stories aus vergangenen bzw. kommenden Zeiten. Der psychedelische Ansatz ist unübersehbar. Begleitet von Leary, Capra und anderen Denkern dieser Ära und von der Tatsache ausgehend, dass Pop- und Drogenkultur bereits eine mindestens 50-jährige Geschichte hinter sich haben und ihre Spuren hinterlassen haben, sind auch die jüngsten Arbeiten von Wolfgang Uranitsch zu sehen. Auf Blechtafeln mit einer selbstentwickelten Schablontechnik, werden diese Bilder mit Lackfarben auf den Bildträger gespritzt. Teilweise wird die chemische Reaktion der Blechtafel ausgenützt und der Rost oder die Oxidation werden als formale Mittel eingesetzt.

 

Indianer, Landschaften, ikonenhafte Portraits (Marilyn Monroe, Naomi Campbell) sowie Darstellungen technoider Romantik (Bohrtürme, Autos, Motorräder, Straßen) sind die Hauptmotive. Dabei ist die Topografie der Landschaften nicht entscheidend. Ob das Motiv aus Spanien oder Kroatien stammt, ist unbedeutend. Unser Bewusstsein wird es ohnehin dem amerikanischen Westen zuordnen – sie ist Ausdruck eines Lebensgefühls. Die Bohrtürme aus Aserbaidschan (Baku), könnten auch aus dem Kino-Klassiker „Giganten“ mit Liz Taylor und James Dean, stammen. Es ist unser mediales Bewusstsein, mit dem Uranitsch kalkulier. Der verrottete Chevy, vor der Bretterwand einer Hütte mit Gras verwachsen, ist ein Bild, das wir ohne zu zögern nach New Mexico, Arizona, Kalifornien etc. zuordnen. Das dargestellte Auto in Uranitschs Gemälde stammt freilich aus Slowenien. Das mindert das Sujet in keiner Weise. Viel mehr wird die Austauschbarkeit der kulturellen Elemente sichtbar.

 

Tom Wolfe schreibt bereits 1968 in seinem „Kandy-Kolored Tangerine Flake Streamline Baby“ dass „die überständige Elite-Kultur privilegierter Schichten mit ihrem Sinn für Stille und Symbole seit dem Zweiten Weltkrieg von einer Kultur abgelöst wird, die die Masse nicht nur anspricht sondern die unmittelbar aus ihr hervorgeht. An die Stelle der High Society ist die Pop Society getreten, deren „proletarische Vision“ der neuen Welt nicht mehr in aristokratischen Formen der Kunst ihren Ausdruck finden, sondern in subkulturellen Formen wie der Pop-Musik, den Underground-Filmen und den Neonreklamen von Las Vegas“. Das seit damals entstandene Medienbewußtsein hat diesen Aspekt noch verstärkt.


Wir haben es somit in den Bildern Wofgang Uranitschs nicht ausschließlich mit „Trash-Culture“ im besten Sinne zu tun, sondern auch mit einem intensiven Lebensgefühl. Das „irdische Paradies“, das die Pop-Kultur verspricht und die Hölle, in die sie Manchmal führt drängen sich in die Darstellungen.
Auf subversive Weise werden dabei die Bedürfnisse, Träume und Ängste der Zeit direkt, bisweilen unreflektiert und sogar unbewußt umgesetzt.
Trash scheint uns zu sagen, was wir erleben wollen und die Hochkultur sagt uns was wir erleben sollen. Dazwischen sind wir Hin- und Hergerissene und setzen das eine gegen das andere als „Waffe“ ein.
Letztlich stammt Rambo aus der Ilias und sind die „Low-Rider“ der Latino-Amerikaner mit ihrer Emblematik, Streitwagen im Anerkennungskampf innerhalb der kapitalistischen weißen Zivilisation.